**R** „Wintersong“ – von S. Jae-Jones

Rezension oder auch: Wie ich mir von der Seele schrieb




Erscheinungsdatum: 01.03.2017

Verlag: St Martin's Press

ISBN: 9781250079213

Sprache: Englisch

Fester Einband 448 Seiten


„Beware the goblin men and the wares they sell.
All her life, nineteen-year-old Liesl has heard tales of the beautiful, mysterious Goblin King. He is the Lord of Mischief, the Ruler Underground, and the muse around which her music is composed. Yet, as Liesl helps shoulder the burden of running her family’s inn, her dreams of composition and childish fancies about the Goblin King must be set aside in favor of more practical concerns.
But when her sister Käthe is taken by the goblins, Liesl journeys to their realm to rescue her sister and return her to the world above.“



Käthe ist wunderschön und charmant, Josef ist ein hochbegabter Violinspieler, Liesl schreibt ausgezeichnete Kompositionen für ihn und damit wurden die ungewöhnlichen Geschwister vorgestellt. Wenn Käthe in der Stadt verloren geht, muss man nur den Blicken der Menschen folgen, um sie zu finden und hört man Josef spielen, hat man das Gefühl himmlischer Musik zu lauschen. Für ihre beiden Geschwister, würde Liesl alles tun und sogar sich selbst hinten anstellen. Mit ihrem schlichten Äußeren und den Kompositionen eher im Hintergrund, fühlt sich Liesl jedoch immer eher wie der Schatten ihrer zwei Geschwister. Oft behält sie diese Gedanken für sich, versteckt ihre Gefühle und wirkt anderen Menschen gegenüber eher gehemmt. Einzig in der Musik lässt sie sich vollkommen fallen und wird wirklich frei.

Doch alles ändert sich schlagartig, als Liesl die jahrelange Warnung ihrer Großmutter in den Wind schlägt und der König der Goblins diese Chance nutzt, um mit ihr ein Spiel zu spielen. Der Wetteinsatz ist hoch und der König verliert nicht gerne.



Sitzt ihr manchmal vor einer Rezension und fragt euch, wie fängt ihr diese nun an? So geht es mir gerade. Dieses Buch hat mir so viele Augenverdreher, fassungslose Gesichtsausdrücke und Haarrauf-Momente beschert.

Begonnen hat es mit einer wundervollen, zauberhaften Sage im Prolog über den Erlkönig und dem mutigen Mädchen. Dies wurde so magisch, poetisch, verspielt erzählt und man möchte der Geschichte direkt Glauben schenken. Es hat genau eine Sage und vier Seiten auf meinem Kindle gebraucht bis ich diesen Schreibstil liebgewonnen habe. Er zieht sich durch alle Seiten, gibt der ganzen Geschichte einen märchenhaften, verträumten Klang und gleichzeitig ist er düsterer, als man es für ein Märchen möglich hält. Anfangs haben mich die deutschen Wörter, Sätze oder Bezeichnung mitten in diesem ENGLISCHEN Buch etwas irritiert, aber auch daran gewöhnt man sich. Zum Beispiel nennt die Protagonistin den Erlkönig sehr oft „mein Herr“ und ihren Bruder „mein Brüderchen“.

Mit diesem vielversprechenden Anfang, war es nicht leicht für mich auf die Protagonistin Liesl zu treffen. In ihrem Leben stellt sie sich hinter das Glück eines jeden Menschens um sie herum, aber zerfrisst innerlich vor Neid und Eifersucht. Ihre Schwester war ganze zwei Mal verlobt und zwei Mal, war Liesl auf die Ehemannwahl eifersüchtig. Hinzu kommt, dass sie angeblich so untalentiert und überhaupt nicht hübsch ist. Keiner liebt sie, keiner schenkt ihr Aufmerksamkeit, jeder scheint sie zu übersehen, dabei gibt sie am Anfang zu, ihre Musik über alles und jeden zu lieben, also auch lieber als die Menschen in ihrer eigenen Familie. Ihre Einstellung und Lebensansicht haben mich schier in den Wahnsinn getrieben (also dorthin, wo sie sich scheinbar bereits befand).

Ihr wundert euch darüber, warum ich das Buch überhaupt beendet habe? Warum es noch mit dieser Bewertung davonkommt? Nun, erst konnte ich das Buch nicht weglegen, wegen des Schreibstils. Danach wollte ich wissen, wie die Sage am Anfang des Buches über den Erlkönig endet. Am Ende war es die Leidenschaft mit der diese Geschichte geschrieben worden ist. Die Autorin riss mich in das Wechselbad der Gefühle von Liesl und hat es geschafft, mich mit diesem mir unsympathischen Mädchen mitfühlen zu lassen. Je näher ich dem Ende des Buches entgegensteuerte, desto mehr fieberte ich ihm entgegen und dort angekommen, wollte ich nicht, dass es endete.

Letztendlich lag es auch an Liesl selbst. Trotz ihrer Einstellung, trotz ihrer Lebensansicht und besonders trotz ihrer Ansicht über sich selbst, hat sie so eine starke Musikbegabung und Leidenschaft in sich. Sie ist ehrgeizig und Durchhaltevermögend, ein wahres Stehaufweibchen. So schwer ich auch innerlich mit ihr Stritt, so schwer beeindruckt war ich über ihre äußerlichen Taten. Sie packte den Stier bei den Hörnern, verkriechte sich nicht hinter schönen Lügen und durchlebt mit ihrem persönlichen Abenteuer, auch eine persönliche Veränderung.

Eine große Beteiligung an meinem Gefühl, an der Stange bleiben zu wollen, spielte definitiv der Erlkönig oder im Buch auch der Goblin King genannt. Bei ihm hätte ich ja auf eine Persönlichkeitsstörung getippt, aber trotz seiner so verzwickten, widersprüchlichen Art, waren seine Gefühle so unfassbar echt. Zu entschlüsseln, was genau er hinter einem Gefühl verbirgt, hinter einem Gedanken von ihm, hinter seinem ganzen WESEN, das war für mich mein Tropfen Wasser in der Wüste. Wer ist er? Was will er? Was denkt er? Mit diesen Fragen war man bereits mitten im Strudel von Liesls und meinen Gedanken. Er scheint, wie zwei Personen vereint in einem Körper. So repräsentiert er die blaue Farbe eines seiner Augen, indem er kälte zeigt, ein unheilbringendes Grinsen sich auf sein Gesicht stiehlt und dich geschickt in dein eigenes Verderben rennen lässt. Durchschimmernd, wie ein Sonnenstrahl, repräsentiert der Erlkönig die braune Farbe seines anderen Auges, indem er warmherzig ist, Offenheit ausstrahlt und sich wie ein Baum in das Herz hineinwurzelt.

Das Buch basiert auf einem horrorhaften Märchen-Feeling, einer alten Sage über den Untergrund und dem „Land darüber“, Leidenschaft, Musik und Mistery. Den Musik-Anteil sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, der Titel „Wintersong“ spiegelt sich doch entscheidend in der Geschichte wieder. Teilweise waren mir die vielen Gespräche und Gedanken über Musik zu viel, aber andererseits wären die Gefühle sonst nur halb so gut bei mir angekommen. Generell gab es ein gewisses Gefühl des „Zu viel seins“ in diesem Buch. Jede Tatsache, jedes Gefühl, jeder Gedanke wurde durchgekaut, bis es wie ein Kaugummi schmeckt, das man zulange im Mund behalten hat. Fade. Einige Zeilen habe ich dann überflogen, aber auch hier muss ich wieder sagen, dass die Gefühle vielleicht nie in dieser Intensität bei mir angekommen wären, hätte die Autorin es anders geschrieben.


Dies war weniger Rezension, als tatsächlich von der Seele schreiben. „Wintersong“ hatte mich und mein inneres in Aufruhr, weil ich es genauso sehr mochte, wie ich es nicht mochte.



( 3 / 5 Dschinn)



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Kaum ist der Lieder-Abschnitt der Challenge von Tanja und mir beendet, habe ich wieder das Bedürfnis mein nächstes gelesenes Buch einem Song zuzuschreiben. Außerdem ist das ein Buch über Musik, demnach muss mein Extra doch etwas mit Musik zu tun haben! xD Wie es der Zufall auch so wollte, bin ich während des Lesens auf "City of the Dead" von Eurielle gestoßen:




Es ist beinahe gruselig, wie GENAU dieser Songtext zum Buch passt. Dazu muss ich zwar zugeben, dass ich den lateinischen Part nicht verstehe, da ich die Sprache nie gelernt habe, aber ein hoch auf die Kommentarfunktion unter Youtube-Videos. Demnach werde ich hier nun die Übersetzung von Nathan Wieferich zitieren:

"King of Tremendous Majesty (Rex Tremendae Majestatis)
who freely saves those worthy ones (Qui Slavandos Savas Gratis)
Save Me, Source of Mercy (Salve Me Fons Pietatis)"

Und wieder, es ist beinahe gruselig, wie genau das zur Geschichte, wie sehr es zur Protagonistin passt. (Zumindest meiner Ansicht nach) Die Stimmung des Songs, hätte kaum besser die Atmosphäre beschreiben können, die ich beim Lesen immer und immer wieder gespürt habe.


Habt ihr das Buch bereits gelesen? Falls ja, könnt ihr auch einen Zusammenhang zwischen dem Lied und der Geschichte entdecken? Falls nein, konnte das Lied euch nun etwas neugieriger auf das Buch machen? Kennt ihr weitere Bücher über einen Goblin König?


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Kommentare:

  1. Hm ich muss ja sagen, dass ich mir völlig in das Cover verliebt habe und es kommt das Wort Winter im Titel vor xD
    Aber ... ich denke nicht, dass ich es lesen werde ... es klingt nicht nach einem Buch für mich und wenn es dann noch zerrissen ist, ich weiß ja nicht ^^

    Liebste Grüße

    Vivka

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    1. Huhu Vivka,

      ich kann das absolut nachvollziehen. Dieses Cover hatte mich auch regelrecht in seinem Bann und ein winterliches Buch, passt auch perfekt zur kommenden Jahreszeit.

      *lach* Das Buch kann ich nicht ausnahmslos empfehlen, aber ich kann auch nicht wirklich davon abraten. Die Geschichte hatte mich wirklich an mehrerlei Ecken am Harken und konnte mit einer unglaublichen Atmosphäre aufwarten. Wenn du gerne Englisch liest und dem Buch doch eine Chance geben möchtest, kannst du es als Taschenbuch zur Zeit für fünf Euro und ein paar Zerquetschte auf Amazon kaufen. Ich finde, dass es ein angemessener Preis ist für ein Buch, bei dem man sich etwas unsicher ist. Spricht dich denn die Handlung an sich an?

      Übrigens erscheint am 01. Dezember auch die deutsche Übersetzung des Buches. Vielleicht kann dich eine andere Rezension dazu wieder neugierig auf das Buch machen?

      Ganz liebe Grüße
      Leni

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    2. Ich mag Horror und ich mag Märchen und ich mag Winter, an sich spricht es mich schon an ;)

      Ich werde mal gucken, vlt kann ich es auch als eBook günstig bekommen, dann lese ich da ma rein =)

      Liebste Grüße

      Vivka

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  2. Waaaaah! Leni! :O Du hast das Buch ja bereits gelesen. Dein Urteil klingt jetzt im ersten Moment nicht so gut und ich bekomme nicht wirklich Lust das Buch sofort zu lesen :D Ich denke aber, ich habe verstanden, wie zwiegespalten deine Meinung ist und wie das zustande gekommen ist... Die Protagonistin werde ich wahrscheinlich auch nicht mögen können, aber da du ja zB vom Schreibstil so begeistert bist...^^ Die Bezüge zum Winter und der Musik reizen mich schon sehr und es muss ja auch nicht jedes Buch das neue Lieblingsbuch werden. :)

    Du hast mir mit deiner Rezi auf jeden Fall sehr weitergeholfen, aber das Buch habe ich ja sowieso bereits gekauft :P Das Lied ist übrigens wunderschön und ich kann mir die Athmosphäre im Buch richtig gut damit vorstellen! Beim Zuhören hatte ich irgendwie auch ein wenig die Acotar- und die Shatter-Me-Reihe im Kopf, die innere Zerrissenheit der Protagonistinnen, ihre innerlichen Hilferufe... auch wenn es vllt nicht zu 100 passt^^

    Liebe Grüße
    Lena ♥♥♥♥♥♥

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    1. Huhu Lena,

      ich habe sogar noch überlegt, ob ich mit der Rezension warten soll, bist du auch durch bist. Irgendwie hatte ich vermutet, dass es den Effekt bei dir haben würde und trotzdem interessiert mich deine Meinung zur Geschichte doch sehr.

      Also der Schreibstil ist wirklich der Wahnsinn! Von der Atmosphäre her, war es sogar tatsächlich sehr ähnlich zu ACOTAR, aber die Handlung ist einfach total anders. Es freut mich aber auch sehr, dass meine zwiegespaltene Meinung verständlich rübergebracht worden ist.

      Ich kann es auch nachvollziehen, wie du beim Lied direkt an ACOTAR oder an die Shatter Me-Reihe gekommen bist. Besonders die innere Zerrissenheit, die Verzweiflung, all das passt sehr gut zu den Protas der Reihen. Das Lied musst du dir aber auf alle Fälle nochmal anhören, sobald du "Wintersong" gelesen hast. Der Text im Song, passt wirklich sehr gut zur Handlung. =')

      Ganz liebe Grüße
      Leni ♥♥♥♥♥♥♥♥

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    2. Oh, da hättest du aber laaaange warten können :D Ich weiß gar nicht, wann ich das Buch noch unterbringen soll. Aber ich habe jetzt die Kindle-App auf meinem Handy, da werde ich es irgendwann mal unterwegs lesen.

      Ich werde es mir dann definitiv noch mal anhören (oder vllt schon während ich das Buch lese?)

      Ganz liebe Grüße
      Lena ♥♥♥♥♥♥♥♥♥

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    3. *lach* Na dann ist ja gut, dass ich die Rezension bereits hochgeladen habe. =D Die Kindle-App hatte ich auch eine Ewigkeit auf meinem Handy. Allerdings war bei mir die Bedienung der App nicht ganz so handlich und es hat auch ziemlich viel Akku gekostet. Ist das bei dir auch so? Ansonsten ist es natürlich praktisch, wenn man das Handy hervorziehen und drauflos lesen kann. =)
      "Wintersong" passt natürlich super in den Dezember. ;-) Die winterliche Kulisse und die märchenhafte Stimmung, passt einfach perfekt in die Jahreszeit rein.

      Ganz liebe Grüße
      Leni ♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥

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